• kleiner Wachrüttler

Die wahrscheinlich wichtigste Zutat für deine Genesung

Es ist wahrscheinlich eines der schwierigsten Dinge für viele Menschen und gerade für Menschen mit MS: Hilfe annehmen und mit jemandem reden, wenn es einem nicht gut geht.


Viel zu oft wollen wir stark sein und niemandem mit dem belasten, was in uns vorgeht. Deshalb verkriechen wir uns in unserem Kokon und machen lieber alles mit uns selbst aus, während wir aber gleichzeitig den anderen brav und geduldig zuhören, wenn sie über ihre Sorgen und Probleme sprechen. Während wir das tun, denken wir, dass es so am besten ist und dass allen so am meisten geholfen wird – doch genau darin liegt der Fehler.


Wir brauchen jemanden. Nicht allein sind wir stark, sondern zusammen. Gerade bei einer solchen Diagnose durchlebst du manchmal tagelang eine Gefühlsachterbahn voller Hochs sowie unzähliger Tiefs und ein Gedankenkarrussel, dass sich oft so schnell dreht, das einem schwindelig wird (und nein, diesmal ist nicht der Schwindel der MS schuld).


Es sind genau solche Momente, in denen du nicht mit dir, deinen Gedanken und deinen Gefühlen allein sein solltest. Gerade jetzt brauchst du jemanden an deiner Seite. Manchmal muss dieser jemand nicht einmal etwas sagen oder irgendetwas tun, sondern einfach nur da sein und dir das Gefühl geben, du bist nicht allein.


Ich habe das unendliche Glück, viele dieser „jemands“ in meinem Leben und an meiner Seite kurz nach der Diagnose und bis heute zu haben. Diejenigen, die ich meine, wissen auch, dass sie gemeint sind. Doch heute möchte ich einem bzw. einer dieser jemands ganz besonders von tiefstem Herzen danken, denn sie weiß gar nicht, wie viel sie eigentlich tut und denkt immer, dass das alles selbstverständlich ist: Ich möchte dir danken, meine liebe Steffi ♥️.



Du warst die erste meiner Freundinnen, der ich von der Diagnose erzählt habe, damals, als ich das alles noch gar nicht realisiert habe und am liebsten niemandem davon erzählt hätte, um es nicht wahr haben zu müssen. Du konntest sogar noch vor mir weinen, bevor ich das alles überhaupt begriffen und den Schock überwunden hatte, weil du so sehr mit mir fühlst. Du warst immer da und hast an meiner Seite gestanden und das trotz der Entfernung und trotzdem du selbst gar nicht wusstest, was das jetzt alles genau bedeutet und wie man sich am besten in so einer Situation verhält. Du hast mir so ein süßes Paket geschickt, um mir eine Freude zu machen – zwischen all‘ den Tränen und Tiefs zu der Zeit und weißt wahrscheinlich bis heute nicht, wie oft ich daran zurückdenke und wie viel du mir damit gegeben hast.


Ich könnte diese Liste jetzt noch weiterführen, doch es ist offensichtlich was ich dir sagen möchte: DANKE.

Danke, dass du einfach immer da warst und bist. Danke, dass du dir all‘ meine Ängste und Sorgen angehört hast, auch wenn es oft die gleichen und sie überhaupt nicht rational waren. Danke, für deine beruhigenden, bekräftigenden und ermutigenden Worte, die mir jedes Mal wieder Kraft und positive Energie geschenkt haben.


Ich sitze hier und mir laufen vor Dankbarkeit Tränen über die Wangen und weil mir ein Mal mehr bewusst wird, was für ein Geschenk du bist und was für ein Geschenk es für mich ist, dich in meinem Leben zu haben.

Du sagst immer, dass das alles selbstverständlich ist und dass ich mich nicht bedanken soll. Doch da muss ich dir ausnahmsweise mal widersprechen und da hast du ausnahmsweise mal nicht Recht recht.


Wenn ich mich bei dir bedanke, ist es das Mindeste, was ich tun kann, um das zu würdigen und zu wertschätzen, was du für mich tust. Und es ist erst recht nicht selbstverständlich, denn im Leben ist nichts selbstverständlich. Für dich mag es das sein, aber du hast keine Verpflichtung, jederzeit für mich da zu sein, dir meine Ängste anzuhören oder sonst etwas für mich zu tun. Aber du bist es; immer und jederzeit. Egal, was bei dir gerade los ist. Und da kannst du mir so oft widersprechen, wie du möchtest: Das ist nicht nur nicht selbstverständlich, sondern das ist einfach unglaublich wertvoll.


Es gibt noch so viel, was ich sagen könnte, doch manchmal ist weniger auch mehr.

Ich hoffe so sehr, dass dir dieser Text zeigt, wie wundervoll du bist und du dich selbst durch meine Augen sehen kannst: ein wundervoller, wunderschöner, einzigartiger und unglaublicher Mensch – von innen und von außen. Du weißt einfach alles über mich und kennst mich so oft besser als ich mich selbst. Du erkennst sogar mittlerweile vor mir, wenn ich mich mal wieder ausruhen sollte und gibst mir aber trotzdem den Raum, es selbst zu erkennen.

So, wie du bist, in deinem Geamtpaket und mit all‘ deinen Stärken sowie Schwächen, bist du genau richtig und die Steffi, die ich so fest in mein Herz geschlossen habe und nicht mehr rauslassen werde. Du fehlst mir jeden Tag in meinem Alltag hier in Berlin, aber gleichzeitig finde ich es auch so schön, dass wir trotz allem so viel Kontakt haben und es jetzt sogar fast jeden Morgen so ist, als säßest du neben mir auf dem Fahrrad – den Handy-Flatrates sei Dank ;).


Und da ein Text von mir kein Text von mir wäre, wenn es nicht noch ein Zitat gäbe, sind wir doch noch nicht ganz am Ende angelangt. Es heißt:


„Freundschaften sind wie alte Brücken, die uns mit all ihrer Kraft über die Höhen und Tiefen des Lebens tragen.“


Besser hätte ich es nicht sagen können. Denn du bist mit mir durch das bisher tiefste Tief meines Lebens gegangen und dafür werde ich dir immer dankbar sein.


In diesem Sinne wünsche ich dir ein wundervolles neues Lebensjahr,

deine Julia 😊♥️☀️

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