• kleiner Wachrüttler

Warum ich meine Basistherapie beendet habe und es mir nie besser ging

"As long as you are thinking equal to your environment, you keep creating the same life. To truly change is to think greater than your environment. To think greater than the circumstances in your life, to think greater than the conditions in the world."  – Dr. Joe Dispenza


Du erinnerst dich wahrscheinlich noch an den Moment, als du deine definitive MS-Diagnose erhalten hast und dein Arzt dir eröffnete, dass du nun möglichst schnell mit einer Basistherapie anfangen solltest, um den Verlauf zu verlangsamen und die Schübe zu verringern. Wenn du Glück hattest, ließ er dir noch die Wahl zwischen Spritze und Tabletten. Und vielleicht weißt du auch noch, wie du dich damals gefühlt hast, als dir von den ganzen Nebenwirken und Risiken berichtet wurde ... das kann einen ganz schon verunsichern. Ich weiß ganz genau, wie es dir geht, denn mir ging es genauso:


Mein Start in die Basistherapie


Seit ich denken kann, nehme ich nicht gerne Medikamente. Irgendwie hatte ich schon immer einen gewissen Widerstand gegen diese kleine runden oder eckigen Dinger in all ihren Farben in mir. Da kannst du dir natürlich vorstellen wie „begeistert“ ich war, als ich meine Diagnose erhielt und klar war, dass ich für den Rest meines Lebens Medikamente nehmen soll. Auch wenn meine Diagnose anfangs noch nicht „bestätigt“ war, wollten die Ärzte aufgrund der vielen Entzündungsherde, die auf dem MRT zu sehen waren, und weiterer medizinischer Befunde auf Nummer sicher gehen. Und so legten sie mir nahe, sofort mit der Basistherapie anzufangen. Denn auf diese Weise – so verkauften sie es – würde ich „Langzeitschäden“ entgegenwirken. Damals war ich so überwältigt von der Situation, hatte keine Ahnung von MS, Autoimmunerkrankungen und chronischen Krankheiten, dass ich einfach tat, was mir gesagt wurde – größtenteils aus Angst; und Unwissenheit. Da die MS bei mir, wie gesagt, nicht zu 100 % bestätigt war, durfte ich mich anfangs nur spritzen – Tabletten standen außer Frage.


Na toll, dachte ich mir. Nicht nur diese „wunderbare“ Krankheit, jetzt auch noch zwei Mal täglich spritzen und immer schön an die Krankheit erinnert werden. Aber ich biss die Zähne zusammen und holte mit Copaxone in der Apotheke um die Ecke. Doch es kostete mich jedes Mal Überwindung, mir die Spritze ins Bein, in den Bauch, in den Arm oder in den Po zu jagen. Ich ließ das Ganze oft ausfallen, weil ich auch die juckenden Quaddeln und Schmerzen danach einfach nicht ertrug. Ich war innerlich doch schon total am Ende und hatte noch gar nicht wirklich verstanden, was gerade passiert war.


Als ich dann nach vier Monaten meinen zweiten Schub hatte, fiel ich in ein tiefes Loch. Jetzt konnte ich die MS nicht mehr leugnen und musste ihr ins Gesicht schauen. Harte Monate lagen vor mir, in denen ich viel weinte und kein Licht am Ende des Tunnels sehen konnte. Doch das „Positive“ war, dass ich jetzt immerhin „offiziell“ MS hatte und Tabletten nehmen durfte. Ich stieg natürlich sofort auf Tecfidera um. Darüber war ich damals wirklich heilfroh. Keine Spritzen mehr und somit auch keine Überwindung zwei Mal am Tag. Tabletten würde mich nicht ansatzweise so sehr jeden Tag an meine Krankheit erinnern wie die Spritzen – dachte ich mir damals.


Mein Alltag mit Tecfidera


Ich fing mit 120 mg zwei Mal täglich an, bis ich bei 240 mg morgens und abends angelangt war. Da ich mich vegan ernähre, konnte ich den Tipp mit dem Joghurtsandwich, um Magenprobleme zu verhindern, leider nicht umsetzen. Doch es ging trotzdem. Ich hatte gelegentlich Flushs und Magenkrämpfe, doch das nahm ich gerne in den Kauf, wenn ich dafür von den Spritzen verschont wurde.

Doch trotz allem erinnerten mich jeden Morgen und Abend die türkisblauen Pillen an meinen kleinen Wachrüttler und die Fragen von Kollegen: „Du bist ja ganz rot, ist alles ok?“, wurden auch irgendwann nervig. Ich wollte mich nicht erklären müssen und Ausreden erfinden. Es war mittlerweile in Ordnung, dass ich diese Krankheit hatte, doch ich wollte nicht mein Leben und meinen Alltag von ihr bestimmen lassen. Ich wollte einfach frei sein.


Der Anruf der MS-Ambulanz: „Ihre Leukozyten sind zu gering!“


Um die Weihnachtszeit im Jahr 2018 erhielt ich dann einen Tag nach meiner monatlichen Blutkontrolle in der MS-Ambulanz einen Anruf, dass ich sofort vorbeikommen müsste, um noch einmal Blut abzunehmen, denn meine weißen Blutkörperchen, die Leukozyten, seien zu gering. Ich musste schlucken. Denn ich wusste, dass wenn der Wert zu lange so gering ist, man im schlimmsten Fall eine tödliche Hirnkrankheit (progressive mulitfokale Leukenzephalopathie, kurz PML) entwickeln kann – daher auch die regelmäßigen Blutkontrollen. Panik stieg in mir auf, Horrorszenarien spielten sich vor meinem inneren Auge ab und ich wollte wieder einfach nur wegrennen. Ich fragte mich, wozu ich das alles überhaupt tat. Reichte es nicht, dass ich MS habe? Musste jetzt auch noch dieser blöde Wert unter die kritische Grenze fallen und meine Welt mal wieder ins Wanken bringen?


Doch all das Selbstmitleid und mein auf Hochtouren laufendes Gedankenkarussell halfen nichts. Ich ging nochmal zur MS-Ambulanz, ließ mir Blut abnehmen und einen Tag später hatte ich zum Glück Entwarnung: Der Wert hatte sich normalisiert – alles ist gut. Ich kann ganz normal weitermachen. Ganz normal weitermachen ... das sagt sich so einfach. Nach außen hin ging ich wieder dem gewohnten Alltag nach, doch innerlich wurde etwas in mir angestoßen. Eine innere Stimme, der Samen eines Gedanken, den ich hier und da schon bemerkt hatte, wurde durch diesen Anruf der MS-Schwester so richtig wachgerüttelt und nahm nun Fahrt auf.


Die Stimme aus meinem Inneren


Je weiter ich mit der Basistherapie voranschritt und je mehr ich darüber nachdachte, dass ich ein Medikament nahm, das nicht nur zu unangenehmen Nebenwirkungen führt, sondern auch im schlimmsten Fall eine tödliche Krankheit hervorrufen konnte, desto mehr fragte ich mich, was ich hier eigentlich tat? Kam ich nicht vom Regen in die Traufe? Sollte ich jetzt mein restliches Leben Medikamente nehmen und mit den Nebenwirkungen kämpfen? Alle zwei Monate Blut abnehmen und hin und wieder in Panik ausbrechen, wenn der Wert mal wieder unter die kritische Grenze fällt? Das kann es doch nicht sein. Ich bin doch erst 27! Und ich hasse es eigentlich, Medikamente zu nehmen. „Es gibt noch einen anderen Weg“, tönte es leise aus meinem Inneren. Leise, aber bestimmt. Und ich hatte das Gefühl, dass es genauso ist. Dass die Medikamente nicht die Lösung sind. Dass ich mir anders helfen und mich letztendlich selbst heilen kann.


Der Gedanke ließ mich nicht los. Ich las in Dr. Joe Dispenzas Buch (unbezahlte Werbung) von einer Frau mit MS, die sich selbst geheilt hatte und Freunde erzählten mir von Menschen, die seit Jahren ohne Basistherapie schubfrei und glücklich sind. Da musste doch etwas dahinter sein. Wieso schaut da keiner genauer hin? Und wieso gilt MS trotz solcher Geschichten immer noch als nicht heilbar?


Also fasste ich einen Entschluss: Ich werde es ohne Medikamente probieren und dafür alle anderen pflanzlichen sowie alternativen Heilmethoden ausprobieren. Denn ich war und bin mir sicher: Es gibt einen anderen Weg als die Basistherapie mit ihren Nebenwirkungen und Risiken.


Ein neues MRT, zwei neue Entzündungsherde


Diese Entscheidung fasste ich kurz vor meinem neuen MRT mit Kontrastmittel und ich war fest entschlossen, meinem Neurologen danach zu eröffnen, dass ich es ohne Medikamente versuchen möchte. Es fühlte sich aber damals für mich so an, als müsste ich sein Einverständnis erhalten. Außerdem vermied ich es, Freunden und Familie davon zu erzählen, da ich wusste, dass viele es nicht verstehen, Angst um mich haben und mich davon abhalten würden.


Als ich dann im Zimmer des Neurologen am Tag der Auswertung des MRTs saß, spürte ich tief in mir, dass das Ergebnis nicht wirklich positiv sein würde. Und mal wieder behielt mein Bauchgefühl Recht: „Sie haben zwei neue Entzündungsherde, Frau Wagner.“ ZACK! Da war er wieder Weg der Boden unter meinen Füßen, den ich mir in den letzten Monaten so hart erkämpft hatte. Und da war er wieder: Der Klos im Hals, zusammen mit den drückenden Tränen hinter meinen Augen.


Der Neurologe fuhr fort und erklärte mir, dass das Ergebnis der Untersuchung zeige, dass meine Krankheit aktiv sei, Tecfidera also nicht anschlage und sie mir stärkere Medikamente geben wollen. Als ich nach den Nebenwirkungen fragte, meinte er, dass ich anfangs ein EKG machen muss, weil die Herzfunktion beeinträchtigt werden kann, ich regelmäßig zum Hautarzt muss, weil man im schlimmsten Fall Hautkrebs entwickelt und und und. „NEEEEEEEIN!!!“, schrie es in mir. WARUM? WIESO? DAS KANN DOCH NICHT SEIN! Ich hatte doch einen ganz anderen Plan ...


Also erzählte ich ihm, dass ich die Medikamente eigentlich absetzen wollte und er riet mir natürlich davon ab. Doch ich war nicht bereit, stärkere Medikamente mit noch mehr Nebenwirkungen zu nehmen. Also vereinbarten wir, dass ich erst einmal mit Tecfidera weitermachen würde. Als ich mit meiner Mama aus dem Krankhaus trat, konnte ich mich nicht mehr zusammenreißen und fing an, zu weinen. Es war einfach alles zu viel.


Das Vertrauen in meine innere Stimme und in meinen Weg


Nachdem ich geweint, mich selbst bemitleidet, viel „Comfort Food“ gegessen und die MS verflucht hatte, kam ich langsam wieder zu mir. Diese ganze Aktion hatte mir gezeigt, dass ich selber noch nicht vollkommen bereit gewesen war. Dass ich noch nicht all die innere Stärke gesammelt hatte, um zu meinem Weg zu stehen und noch zu viel Angst in mir trug. Doch nachdem sich dieser ganze Sturm um das neue MRT gelegt hatte, konnte ich viel klarer sehen: Ich hatte dieses Tief gebraucht. Denn jetzt war ich mir mehr als sicher: Es gibt einen anderen Weg und ich versuche es ohne Medikamente. Komme, was wolle.


Und so setzte ich Tecfidera am 8. Juli 2019 ab. Es war ein wundervoller Tag für mich. Keine türkisblauen Pillen mehr zum Frühstück und Abendbrot. Endlich nahm ich meine Gesundheit selbst in die Hand und tat das, was sich für MICH richtig anfühlte. Ich fühlte mich so stark und so sicher in meiner Entscheidung. Tief in mir wusste ich einfach: Genau das ist mein Weg, ich werde Heilung finden.



Ich kann das nicht rational erklären. Es ist einfach dieses tief in mir verankerte Gefühl und dieses Wissen, dass es auch anders geht, dass ich mich selbst heilen kann. Ich glaube fest daran, dass Multiple Sklerose doch heilbar ist, und dass mein und auch dein Körper zu so viel mehr fähig sind, als wir uns überhaupt vorstellen können. Heute stehe ich mehr als 100 % hinter meiner Entscheidung. Sogar als ich es dann auch meinem Neurologen mitteilte und er alles andere als begeistert aussah, konnte ich stark bleiben und für meinen Willen, meinen Weg einstehen.


MS ist nicht heilbar. Oder vielleicht doch?


Vielleicht fühlst auch du dich nicht so wohl bei dem Gedanken daran, dass du jeden Tag deines Lebens Medikamente nehmen und mit den Nebenwirkungen leben sollst. Ich glaube, dass es sehr vielen Menschen so geht. Und ich weiß, dass es zahlreiche Menschen gibt, die es genau deshalb ohne Basistherapie versuchen und damit sehr glücklich sind. Doch andere wiederum haben einfach zu große Angst, weil auch die Ärzte mit genau dieser Angst arbeiten und nehmen deshalb weiterhin ihre Basistherapie, selbst wenn sie Zweifel haben.


Egal, zu welcher Gruppe du auch gehörst oder auch wenn du eine andere Erkrankung hast: Ich möchte dich einladen, mich auf meinem Weg der Selbstheilung mit pflanzlichen und alternativen Heilmethoden zu begleiten. Denn so dankbar ich auch bin, dass wir in einem sehr guten Gesundheitssystem leben und es mittlerweile Medikamente gegen MS gibt – ich glaube fest daran, dass wir diese Krankheit und alle anderen chronischen Krankheiten noch nicht ansatzweise verstanden haben. Bis heute kann uns keiner wirklich sagen, wie, warum und wieso überhaupt MS entsteht. Bis heute wird dir bei deiner Diagnose gesagt: Sie haben Multiple Sklerose, eine chronische Autoimmunerkrankung, die nicht heilbar ist.


Und meiner Meinung nach fängt bereits genau da der Teufelskreis an. Wenn ein Arzt seinem Patienten sagt, dass er unheilbar krank ist und sein Leben lang mit der Krankheit leben muss, dann zerbricht etwas in dem Menschen. Wenn man ihm dann noch sagt, dass der eigenen Körper sich selbst angreift, dann kann es sehr oft sein, dass man noch viel mehr Schaden anrichtet, als bereits schon vorhanden ist.


Wie kann es sein, dass Ärzte so etwas behaupten, wenn die Krankheit noch nicht vollumfänglich erforscht ist? Wenn wir gerade am Anfang stehen und dabei sind, herauszufinden, was es mit Autoimmunkrankheiten auf sich hat. WARUM dürfen Ärzte es sich herausnehmen, so etwas zu sagen, wenn sie das gar nicht zu 100 % belegen können?


Multiple Sklerose ist nach gängiger Auffassung BISHER nicht heilbar. Doch das waren alle Krankheiten irgendwann mal. Und was ist mit den zahlreichen Fällen von Menschen, die seit Jahren schubfrei sind? Oder mit der Geschichte der Frau, die im Rollstuhl saß und mittlerweile wieder durchs Leben tanzt?


Ich bin der Überzeugung, dass wir bei unseren Ärzten ganz genau nachfragen und nicht alles als gegeben annehmen sollten. Wir müssen selber Verantwortung übernehmen. Gib deine Gesundheit nicht an deinen Neurologen ab, nimm sie selber in die Hand. Ich möchte deine Symptome oder Krankheit nicht runterspielen – versteh mich bitte nicht falsch. Aber wenn du heilen möchtest, musst du Verantwortung für deine Krankheit, für dein Leben und für dich übernehmen.


MS ist eine schwerwiegende Krankheit, die aus deinem Inneren kommt, also habe auch den Mut, genau dort hinzuschauen. Ich weiß, dass du, deine Seele und dein Körper zu so viel mehr fähig sind, als du dir jetzt vorstellen kannst. Du trägst alles in dir – alle Antworten und Lösungen.



Ich weiß, es gibt einen anderen Weg als die Basistherapie. Und die ersten Schritte auf genau diesem Weg bin ich bereits gegangen. Denn ich möchte herausfinden, ob MS nicht vielleicht doch heilbar ist.

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©2020 by Julia Wagner