• kleiner Wachrüttler

Sind deine Gedanken die wahre Medizin?

Aktualisiert: 14. Feb 2019

„Der Bereich des Bewusstseins ist viel größer, als sich mental ermessen lässt. Wenn du nicht länger alles glaubst, was du denkst, löst du dich vom Denken und siehst klar, dass der Denker nicht der ist, der du bist“ -Eckart Tolle-


Mittlerweile kann ich gar nicht mehr sagen, wie viele Bücher zu Persönlichkeitsentwicklung, Psychosomatik und alternativen Heilmethoden ich seit meiner Diagnose gelesen habe. Ich gehöre zu den Menschen, die es immer ganz genau wissen müssen. Deshalb hat sich auch kurz nach meiner Diagnose ein schiefer Turm von Pisa an Informationsbroschüren über MS bei mir zu Hause schrittweise aufgestapelt: Was ist MS?, Was sollte man beachten?, Welche Medikamente gibt es?, Wie sieht es aus mit MS und Sport? ... Kurz gesagt, ich wollte ALLES wissen und auf ALLES vorbereitet sein.



Irgendwie dachte ich, dass ich mit mehr Wissen auch besser gewappnet sein würde – egal, welche Symptome die Krankheit aus dem Ärmel schütteln würde. Da war er wieder, dieser Drang nach Kontrolle angesichts einer Krankheit, die man alles andere als kontrollieren kann. Manchmal muss ich über mich selbst schmunzeln, wenn ich an diese Zeit zurückdenke. Natürlich habe ich auch alle möglichen Blogs und persönlichen Erfahrungsberichte gelesen. Ganz besonders hat mir dabei Samiras Blog Chronisch fabelhaft geholfen, den ich dir nur wärmsten ans Herz legen kann :).


Doch man kann noch so viele Ratgeber, Informationsblätter und Blogartikel lesen – am Ende ist es bei jedem anders. Denn genauso wie jeder Mensch anders ist, so ist auch jede Krankheit bei jedem Menschen anders. Es spielen einfach so viele Faktoren mit rein, die das Krankheitsbild beeinflussen und gleichzeitig nimmt jeder die Situationen, Symptome und Schübe anders wahr. Deshalb finde ich es so schwierig, allgemeine Tipps und Empfehlungen zu geben. Doch es gibt eine Sache, die meiner Meinung nach für alle gilt und die auch nur wir selbst beeinflussen können. Dafür oder dagegen gibt es kein Mittel, keine alternative Heilmethode und auch keinen Coach.

Ich spreche von denen, die den ganzen Tag lang – meist unbewusst – in unserem Kopf abgespielt werden und denen wir häufig wenig Beachtung schenken. Sie begleiten uns zu jeder Tages- sowie Nachtzeit und wir glauben sie auch leider viel zu oft, da wir ihnen einen allzu großen Stellenwert beimessen: unsere Gedanken.

Unsere Gedanken nehmen wir überall mit hin und lassen uns einfach so nebenher von ihnen berieseln, ja fast hypnotisieren.


Rund 60 000 Gedanken begleiten uns jeden Tag, das sind 2 Milliarden (!!!) pro Jahr.

Und weißt du, wie viele davon positiv bzw. aufbauend sind? Nur 3 Prozent. Ist das nicht traurig? Nur DREI Prozent und bis zu 70 Prozent sind negativ. Ganze 25 Prozent deiner Gedanken sind negativ auf dich oder andere bezogen: Oh man, was hat der denn da an? Ach du Sch***, wie sehe ich denn heute wieder aus? Wie doof bin ich eigentlich? Ich werde das nie schaffen!

Diese Liste könnte ich noch unendlich weiterführen, doch dann wäre das wahrscheinlich einer der längsten Blogartikel überhaupt und ich glaube, du weißt mittlerweile, wovon ich spreche.

Die Sache ist, dass dein Gehirn nicht unterscheiden kann, ob deine Gedanken sich auf dich oder andere beziehen. Du schadest dir also stets direkt oder indirekt selbst.

Ich glaube, so langsam wird klar, warum deine Gedanken so entscheidend sind.


Jetzt fragst du dich vielleicht, wie du deine Gedanken kontrollieren und somit das Ruder rumreißen kannst. Die Antwort ist: immer bewusster wahrnehmen. Leider reicht es nicht, den heutigen Artikel zu lesen, den Inhalt zu verstehen und dann sind alle deine Gedanken positiv. Dieser Prozess braucht viel Zeit, Geduld und Mitgefühl. Doch du kannst heute den ersten Schritt tun, indem du die bewusste Entscheidung triffst, es ab heute anders machen zu wollen, liebevoller zu dir zu sein und diesen Prozess zu beginnen. Du hast bisher 20, 30, 40 Jahren oder sogar noch länger immer so gedacht, das kannst du nicht von heute auf morgen ändern.


Der erste Schritt, den du somit tun kannst, ist deiner inneren Stimme und deinen Gedanken bewusster zuzuhören. Versuche doch mal, einen Tag lang deinen Gedanken aktiv zuzuhören und schreibe sie dir vielleicht sogar auf. Am Abend kannst du dann Bilanz ziehen. Ein negativer Gedanke könnte beispielsweise sein: „Ich werde das alles nicht schaffen.“ Überlege dir anschließen, was die positive Umkehrung dieses Glaubenssatzes ist, in unserem Fall: „Ich kann alles schaffen, was ich will.“


In einem dritten Schritt kannst du nun jedes Mal, wenn du diesen negativen Gedanken denkst, dir innerlich laut „STOPP“ sagen und den positiven Glaubenssatz sprechen. Da wir negative Glaubenssätze nur endgültig im Unterbewusstsein auflösen und ins Positive wandeln können, sind Meditation und Hypnose äußerst hilfreiche Wege, um auf unbewusster Ebene Veränderungen hervorzurufen. Ich weiß, es ist ein langer Prozess und es wird sicherlich auch Rückschläge geben, doch glaub mir: Es lohnt sich.


Und gerade in Bezug auf deine Krankheit sind positive sowie liebevolle Gedanken so wichtig und entscheidend. Denn deine Gedanken erschaffen deine Realität. Kurz nach der Diagnose hatte ich unbeschreiblich große Angst im Rollstuhl zu landen. Und habe immer gedacht: „Ich werde im Rollstuhl landen!“ oder: „Ich will nicht im Rollstuhl landen!“. Dabei ist es egal, ob ich bei dem zweiten Satz eine positivere Formulierung als Wunsch formuliert habe, denn unser Gehirn nimmt das „nicht“ nicht wahr. Es hört nur „im Rollstuhl landen“ und je öfter ich mir das sage, desto mehr wird es zu meiner Realität. Die positive Umkehrung wäre also zum Beispiel „Ich möchte auch mit 100 Jahren noch durch das Leben tanzen können!“. (Oh ja, und wie ich das möchte!!)


Wir alle kennen den positiven Placebo-Effekt. Negative Gedanken können sogar zum Nocebo-Effekt führen, auf den ich in meinem nächsten Artikel genauer eingehen werden. In dem Buch „Mind over Medicine – Warum Gedanken oft stärker sind als Medizin“ von Dr. med. Lissa Rankin, das ich im Sommer 2018 gelesen habe, heißt es:


„Wenn wir einen Patienten für ‚unheilbar krank‘ erklären oder ihm auch das Etikett einer ‚chronischen Krankheit‘ wie Multiple Sklerose, Morbus Crohn oder Hypertonie aufdrücken, ihm sagen, dass er für den Rest seines Lebens darunter zu leiden haben wird, fügen wir ihm damit nicht genau genommen Schaden zu? [...] In seinem Buch ‚Spontanheilung' schreibt Dr. Andrew Weil, dass Ärzte unwissentlich etwas betreiben können, was er als ‚medizinische Verhexung‘ bezeichnet. Wenn wir einen Patienten für ‚chronisch‘, ‚unheilbar‘ oder ‚tödlich‘ krank erklären, programmieren wir negative Glaubenssätze in sein Unbewusstes ein und provozieren damit eine Stressreaktion, die ihm mehr schadet als nützt. Drücken wir ihm das Etikett einer negativen Prognose auf und berauben ihn seiner Hoffnung auf Heilung, könnten wir letztlich den Boden dafür bereiten, dass sich unsere fatale Prognose erfüllt. Wäre es nicht besser, ihm Hoffnung zu machen? Damit würden wir seinem Geist das Signal geben, im Gehirn die Ausschüttung all der gesundheitsfördernden Substanzen zu veranlassen, die den Selbstreparaturmechanismen des Körpers auf die Sprünge helfen.“


Es gibt Menschen, die dachten, sie würden sterben und sich das den ganzen Tag eingeredet haben. Manche sind am Ende auch gestorben oder sehr, sehr krank geworden, denn sie haben sich innerlich aufgegeben. Aber wiederum andere, die von den Ärzten bereits aufgegeben wurden, entwickelten einen so starken Lebenswillen und haben sich immer wieder gesagt, dass sie leben werden. Diese Menschen hatten teilweise eine Art Wunderheilung oder leben deutlich länger als die Ärzte vorhergesagt hatten.


Natürlich möchte ich mit diesem Artikel auch nicht sagen, dass du nie wieder traurig, negativ oder schlecht drauf sein darfst. (Wie wichtig es ist, auch deiner Traurigkeit Raum zu geben, kannst du in diesem Artikel nachlesen.) Wir alle sind Menschen und zum Menschsein gehört auch dazu, dass man mal einen nicht so guten Tag hat oder Angst hat, was durch die MS alles noch passieren könnte. Lass bitte auch diese Gefühle und Gedanken zu, verbiete sie dir nicht. Das Wichtige ist nur, dass du aus dieser negativen Gedankenspirale schneller wieder herauskommst und dich selbst wieder aufbaust.


Bitte vergiss bei diesem Prozess nie, dass es ein Prozess ist, der wahrscheinlich das ganze

Leben andauern wird, da negative Gedanken auch zum Leben dazugehören. Deshalb schenke dir selbst ganz viel Selbstliebe, Mitgefühl, Geduld und Verständnis. Du bist auf einem wunderbaren Weg und allein, dass du dich dafür entscheidest, nicht den Kopf hängen zu lassen und dein Schicksal trotz Schicksalsschlag in die Hand zu nehmen, ist so bewundernswert. Ich bin stolz auf dich und schicke dir eine feste Umarmung sowie ganz viel Liebe und Kraft für deinen Weg.

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